Werkstatt-Tipp hat bei Fahrschulen recherchiert und nach den Gründen für die Inflation gefragt. Ins Feld geführt wurden folgende Argumente. Fahrzeugleasing und Versicherung wären teurer geworden. Löhne für die Fahrlehrer seien gestiegen. Hinzu käme der Umstand, dass Fahrschüler heute deutlich mehr Fahrstunden bräuchten und jeder Zweite zumindest einmal durch die theoretische Prüfung fällt.
m
Insbesondere die letzten beiden Punkte überraschen. Wie kommt es zu der Durchfallquote und weshalb brauchen Fahranfänger viel länger, um im Verkehr klar zu kommen. Aufschlussreich ist das Interview mit einem „alten Hasen“ unter den Fahrlehrern, der seit über 40 Jahren im Geschäft ist und namentlich nicht gennant werden will. Er sagt:
Früher kamen Fahrschüler oft schon mit Grundkenntnissen in die Fahrschule, weil etwa auf Feldwegen mit Papa geübt wurde. Das fände heute kaum noch statt und so würden die Aspiranten bei Null anfangen. Es sei auch meist bereits ein Grundwissen bei den Verkehrsregeln vorhanden gewesen. Auch das sei verloren gegangen. Dazu gibt es den Verdacht, dass es der heutigen Fahranfänger-Generation an Fleiß beim Lernen mangle. So erkläre sich das schlechte Abschneiden bei den Theorieprüfungen.
m
Zwangsläufig grübelt man darüber, ob die Schüler in Belgien, Frankreich oder Italien begabter und fleißiger sind als die Deutschen. Dahinter muss man allerdings ein Fragezeichen machen. Womöglich sind die Anforderungen hier in Deutschland viel höher. Der Verdacht wird genährt durch die Tatsache, dass Verkehrsminister Schnieder den Fragenkatalog bei der theoretischen Prüfung straffen will. Zudem soll Online-Unterricht angeboten werden und das praktische Fahren auch an Fahrsimulatoren geübt werden können.
m
Bis der Führerschein billiger wird, kann es dauern
Wird mit diesen Maßnahmen der Führerscheinerwerb günstiger? Junge Leute hoffen das. Und warten offenbar erst mal ab. Jedenfalls beklagen sich die Fahrschulen aktuell über einen Einbruch der Nachfrage, weil man ja bald einfacher und billiger zur Fahrerlaubnis kommen könnte. Worauf der Minister nun zurückruderte und die jungen Leute aufforderte, nicht zu warten, da entsprechende neue Regelungen Zeit bräuchten und eine Änderung des Status Quo zeitlich nicht abzusehen sei.
Es wird interessant sein zu beobachten, was aus den politischen Ankündigungen schlussendlich wird. Schließlich wäre es nicht das erste Mal, dass ein Vorhaben im politischen Prozess stecken bleibt oder nur eine Mini-Reform übrig bleibt, die nicht hält, was einst versprochen wurde. Den jungen Leuten wäre damit dann sicher nicht geholfen.
m